Juni 2017 - Gesa Drechsler

auf geht’s nach Köln, wo unsere heutig vorgestellte Färberin mit Ehemann und Tochter lebt.

Wer trägt als „Markenzeichen“ eine rote Latzhose, ist blond und hat immer einen Spruch auf Lager? Na? Genau, es ist Gesa Drechsler von „Buttjebeyy“.

Schon als Kind lernte Gesa die Welt der Pflanzen kennen. Mit ihrer Oma, die Cremes und Heilmittel herstellte, aber auch schon das eine oder andere Garn färbte, ging es hinaus in die Natur, um Pflanzen zu sammeln. Vieles was Gesa heute anwendet, um in mühsamer Kleinarbeit ihre Farbstoffe herzustellen und diese für die Färbung vorzubereiten, wurde ihr schon in frühen Jahren spielerisch vermittelt.

Die gebürtige Hildesheimerin hat die Kreativität auch zum großen Teil von ihrer Mutter vererbt bekommen, die schon in den 80er Jahren kilometerweit fuhr, um ganz bestimmte Garne für Strickprojekte zu bekommen. Gesas Sockenschublade ist voll mit hochwertigen Stricksocken, die z.T. 30 Jahre alt sind und noch keinerlei Abnutzung – trotz häufigen Tragens/Waschens zeigen.

1994 hatte Gesa den Wunsch, Freie Kunst zu studieren, was im Elternhaus auf taube Ohren stieß. Da sie etwas „vernünftiges“ lernen sollte, wie es damals halt so war, wurde ihr ein Auto versprochen, wenn sie die Ausbildung zur Krankenschwester macht. Noch heute ist Gesa als Krankenschwester tätig, allerdings mit 50% und überwiegend im Nachtdienst. Das ist aber auch nur möglich, da der Arbeitgeber voll hinter der Selbständigkeit von ihr steht und ihr die benötigten Freiwünsche ermöglicht.

Was gibt ihr den Anreiz am Färben mit Naturmitteln/Pflanzen? Für Gesa ist es etwas Besonderes – im Gegensatz zu fertigen Farbmitteln, die im Bereich der Säurefärbung zu finden sind, die Farbstoffe erst einmal aus der Natur gewinnen zu müssen. Auch das Überraschungsmoment, wie etwas wird, hat etwas Spezielles. So färben Pflanzen, wie man sie farblich aus der Natur kennt, nicht das, was man erwarten würde und es lässt sich sehr viel damit experimentieren. Es gibt Aussagen, dass auch die Mondkonstellation einen Einfluss auf Färbeergebnisse hat. Das könnte gut sein – es gibt Tage, an denen 100x gemachte Färbungen einfach anders werden.

Es ist ein enormer Aufwand, bis dann irgendwann die Stränge auf der Leine hängen. Die Garne verkauft Gesa über Verkaufsabende auf Facebook und geht auf Wollmärkten bzw. Wollfesten.

Demnächst wird ein eigener Onlineshop unter www.buttjebeyy.de online gehen. Das färben erfordert aber so viel Zeit, dass wenig Zeit bleibt, damit voran zu kommen.

Aber keine Angst, auf Facebook wird Gesa nicht verzichten J, denn das Besondere an dem Verkauf in einer Facebook-Gruppe ist, das sie sieht, was aus ihrer Wolle entsteht. Ein Onlineshop versinkt in der Anonymität, aber sie ich braucht die Resonanz ihrer Kundschaft und zeigt dort auch gerne die einzelnen Arbeitsschritte bis zur fertigen Färbung. Und….. es sind auch viele Freundschaften entstanden, man trifft sich auf deutschlandweiten Strickveranstaltungen – eine große Buttjebeyy-Familie ist entstanden.

Da Pflanzen auch eine gewisse Symbolik nachgesagt wird, ist es möglich, sich Garne anhand von Wünschen färben zu lassen. Pflanzenfarben harmonisieren untereinander und es ist sehr interessant, seine Garne nach Wünschen und nicht wie sonst üblich nach Farben auszusuchen. Strickpackungen in Form des „Gute-Wünsche-Loops“ sind hierfür erhältlich – man kann sich aber auch individuell jede andere Anleitungen Garnmäßig nach Wünschen zusammenstellen lassen.

Übrigens: Wer Gesa auf Mittelaltermärkten sucht, wird sie dort nicht finden. Sie steht auf edle Garne, die es damals einfach noch nicht gab und diese passen einfach nicht ins Mittelalter. Sie lebt das Mittelalter nicht – und darum überlässt sie diese Art lieber denjenigen, denen es eine Passion ist.

Wer einen Blick auf die Garne von Gesa und ihrer Marke „Buttjebeyy“ werfen möchte, bitteschön, hier die Links:
www.facebook.com/buttjebey (Facebook-Seite)
https://www.facebook.com/groups/443114279191822/ (Facebook-Gruppe)
Seit September 2016 hat Gesa eine Färbewerkstatt mit Atelier und Showroom für Workshops sowie Spinn- und Stricktreffs in Köln Bilderstöckchen.

Die/der eine oder andere wird sich fragen, wo man Gesa, außer in ihrer Färbewerkstatt, persönlich treffen kann? Das wäre einmal das Heimspiel von ihr bei dem „Wollfestival Köln“ am 19.08. und 20.08.2017, beim „Wollfest und 9. Deutsches Raveler Treffen 2017“ am 16.09. und 17.09.2017 in Bielefeld sowie beim „Westerwälder Wollfest“ am 21.10. und 22.10.2017.

Auf die Veranstaltung in Bielefeld freue ich mich besonders. Dort werde ich mit einem „Lanartus-Stand“ direkter Nachbar von Gesa und Jennifer Janßen vom „Lütt Wollhus“ sein. Wann hat man schon mal die Gelegenheit, zwei Tage neben so netten sympathischen Mädels zu stehen J.